Einblicke in meine Erfahrungen

vielfältig vernetzt und abgerundet

Können Ideen einfach, nachvollziehbar und auswertbar bewertet werden?

Zum Abschluss meines EMBA-Studiums war eine Diplomarbeit gefragt. Innovations­management sei ein sehr spannendes Thema und passe zu meinen breiten Berufser­fahrungen, teilten mir drei Professoren mit. Ich las mich ein und verfasste meine Arbeit über die Bewertung von Ideen über den ganzen Inno­vations­prozess. Von den Vorzügen des Stage/Gate-Prozesses und der grund­sätz­lichen Ideenbewertung von Herrn Cooper überzeugt, erlaubte ich mir dessen Ideen-Bewertungsschema für KMU-Betriebe skalierbar und einfach anwendbar weiterzuentwickeln. KMU gewinnen so beispielsweise rasch einen Überblick über die erfolgsversprechenden Ideen, sehen Projektrisiken und erstellen diverse Portfolien für die Projektsteuerung.

Wie gewinnen Sie Informationen über mögliche Zielgruppen?

Bei einem Industrieunternehmen war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eine Sanierungsphase stand an. Innovation war gefragt. Ich solle Produktideen auf dem Markt suchen gehen. Bei welchen Kundengruppen, war meine Frage. Ich empfahl zuerst eine Zielgruppenanalyse durchzuführen. Die europäische NACE-Statistik war die passende Datenbasis für Berechnungen von Marktpotenzialen. Die Ideensuche konnte dadurch fokussiert auf die zukünftigen Kunden angegangen werden.

Weshalb ist es wichtig, die Kernkompetenzen zu kennen?

Von Vertretern einer Entwicklungsabteilung wollte ich wissen, was das Unternehmen besonders gut kann und stoss die Erarbeitung der Kernkompetenzen an. In einem Team erarbeiteten wir diese. Es war gar nicht so einfach. Viele langjährige Fähigkeiten wurden als alltäglich angeschaut, dabei zeugten diese nach wie vor von hochgradiger Kompetenz. Andererseits wurden Technologieveränderungen zu wenig berücksichtigt. Lücken in den Kernkompetenzen zeigten sich. Diese galt es mit verschiedenen Massnahmen anzugehen.

Welchen Nutzen hat die Kenntnis von Kennzahlen über Ihr Produktportfolio?

Verbesserte Controlling-Auswertungen wurden in einem Unternehmen gewünscht. Während drei Wochen musste ich einigen Tausend Verkaufsartikeln eine mit mehreren Teil­merk­malen codierte Nummer zuweisen. Tagtäglich dieselbe Arbeit. Meine Zuverlässigkeit war gefragt. Bei einigen hundert Artikeln konnte ich den Code automatisiert berechnen, bei anderen galt es zeitraubende Abklärungen vorzunehmen. Bei dieser nicht gerade spannenden Aufgabe hatte ich stets ein Ziel vor Augen: Ich werde äusserst flexibel Sortiments­analysen, Umsatz- und Absatz­analysen, Deckungs­beitrags­analysen vornehmen oder auch die Effektivität von Verkaufs­förderungs­massnahmen berechnen können. Was für ein grosser Gewinn in der Arbeit. Dem war dann auch so. Daten exportierte ich aus dem ERP-System und verdichtete diese aussage­kräftig und grafisch ansprechend in einer externen Datenbank. Heute würde ich PowerBI oder ein anderes Business Intelligence Werkzeug verwenden. Der grosse Nutzen optimaler Auswertungen zeigte sich bei der Analyse des Produkt­portfolios, als Basis für Sortiments­bereinigungen oder bei der Erstellung von Produkt­strategien und -konzepten. Ich erfasse nicht gerne zweimal dieselben Daten und programmiere deshalb seit mehr als zwanzig Jahren MS Access Datenbanken. Dies kam mir hier sehr zugute.

Wie erkennen Sie (latente) Kundenbedürfnisse?

Wie erwähnt musste in einem Unternehmen die Inno­vations­tätigkeit gesteigert werden. Die internen Fakten – ich nenne dies heute mein «1. W – Wer sind wir?» – lagen vor. Die Frage war nun, wie agiert der Markt. Technologisch. Anwendungsmässig. Die Kundenbefragung schien mir zweckmässig. Ich erstellte einen effektiv zu langen Fragebogen. Das Unternehmen benötigte eben umfassende Informationen. Einige Vertreter gesuchter Zielgruppen waren bereit, eine Stunde für eine Befragung zu opfern. Die Resultate bestätigten viel Gutes und zeigten einigen Handlungsbedarf auf.

Wie vertiefen Sie grobe Trends in Sie betreffende Hypothesen und Szenarien?

Wo gewinnen Sie rasch Einblicke, wie Bedürfnisse konkretisiert werden können? Beispielsweise auf Messen, bei Forschungs­einrichtungen oder technischen Universi­täten. Bei der Experten­befragung  nutze ich die Methode des «Pyramiding»: Ein Experte empfiehlt einen nächsten und so weiter und Sie finden den bedeutenden Experten. Die strategische Früh­aufklärung (Corporate Foresight) bietet beein­druckende Methoden, wie Sie das Unternehmens­umfeld, die Rahmen­bedingungen, die Markt­teilnehmer und die Technologie­entwicklung untersuchen sowie Hypothesen und Trends ableiten können. Als ausgebildeter Corporate Foresight Professional vertraue ich heute auf diese vielfältigen Methoden. Ich erinnere mich gerne an meinen ersten Besuch auf der Hannover Messe. 27 grosse Hallen. Wo soll ich hier nur anfangen? Ich konzentrierte mich auf das Thema Leichtbau. So wollte ich mehr wissen über Metall substitu­ierende Materialien wie z. B. technische Keramik, Glasfaser und Carbonfaser verstärkte Kunststoffe oder die Waben-Technologie. Die gewonnenen Informationen waren äusserst nützlich bei der Ableitung von Anwendungs­trends.

"Wem will ich was, wann, wo, durch wen und weshalb ertragsbringend anbieten?"

Sie wollen die Innovationstätigkeit steigern. Viele interne und externe Informationen haben Sie gesammelt. Worauf soll sich das Unternehmen nun konzentrieren? Wenn Sie die gewonnen Erkenntnisse systematisch verdichten, entstehen die strate­gischen Suchfelder und daraus die Innovations­strategie sowie deren zeitliche Abbildung in der Innovations­roadmap. Dabei orientierte ich mich stets an der grund­sätzlichen Frage: Wem will ich was, wann, wo, durch wen, und weshalb ertrags­bringend anbieten? Mit einem Fachhochschul-Dozenten fachsimpelte ich einmal über diese Frage­stellung. Er merkte an, dass dies eine einfache und umfassende Frage sei und fügte einen Hinweis auf das Business Canvas Modell an. Ob das hervor­ragende Modell von Herrn Osterwalder oder meine Frage, die Heraus­forderung liegt im zukunfts­orientierten Beantworten der jeweiligen Themen.

Wie definieren Sie einen effizienten Innovationsprozess?

Innovationsprozess Stage Gate Ideengewinnungsprozess Entwicklungsprozess Marktentwicklungsprozess Unternehmensstrategie Meilenstein ProzessIn einem Unternehmen galt es den Innovations­prozess auf­zubauen. Die Entwicklungs­prozesse waren gut dokumentiert, marktseitig eher weniger. Der Ideen­gewinnungs­prozess (Fuzzy Front End) wurde Ad hoc ausgeführt. In Workshops habe ich die Bedürfnisse, die vorhanden Stärken und das gewünschte Verbesserungs­potenzial abgeholt. Der klassische Stage/Gate-Prozess passte sehr gut zu diesem Unter­nehmen. In mehreren Schritten wurden die Markt- und entwicklungs­orientierten Aktivitäten synchronisiert. Durch das parallele Arbeiten resultierte eine schnellere und besser vorbereitete Markt­einführung neu entwickelter Produkte.

Welche ist die für Sie passende Ideenbewertungsmethode?

Die Meilensteine dienen bekanntlich der Entscheidungs­findung über das weitere Vorgehen. Das von mir erweiterte Ideen­bewertungs­verfahren brachte einem weiteren Unternehmen einige Vorteile. Beispiels­weise konnte die Qualität der ausge­führten Arbeits­schritte aus der Bewertung herausgelesen und so das Projekt­risiko ebenfalls abgebildet werden. Mir war es wichtig, Produktideen in einem sehr frühen Stadium erst­be­werten zu können. Die Vorteile liegen auf der Hand: (1) Ver­meiden von unnötigem Abklärungs­aufwand, (2) Konzen­tration auf die erfolgver­sprechenden Ideen. Ein weiterer Vorteil des einheit­lichen Bewertungs­rasters ist die rasche Rück­meldung an den Ideengeber. Der Ideengeber schätzt die trans­parenten und nachvoll­ziehbaren Begründungen der einzelnen Entscheide. Dies führte zur besseren Invol­vierung der Ideengeber und zu einer markanten Steigerung der Anzahl eingereichter, strategie­konformer Ideen und Ideen­fragmente.

Auswertbare Ideenerfassung, welche den Austausch mit Ideengebern erlaubt?

Organisatorisch galt es ein Werkzeug für die Ideen­erfassung vorzubereiten. Ich habe mehrmals gesehen, dass mit MS Word und MS Excel gearbeitet wird. Dies führt zu Mehr­aufwand in der Daten­pflege. Sie wissen ja, ich erfasse nicht gerne zweimal die­selben Informationen. So erstellte ich ein Programm, welches die Erfassung und Verwaltung aller Ideen sowie diverse Aus­wertungen ermöglichte. Ein sehr nützliches Werkzeug. In den vergangenen Jahren sind verschiedene Software­pakete auf den Markt gekommen, welche besonders stark den Prozess der Ideen­ein­reichung und den Austausch mit dem Ideen­geber berücksichtigen. Je nach Unter­nehmens­grösse finden sich hier sehr spannende Lösungen.

Wie finden Sie Informationsquellen für die Ideengenerierung?

Strategische Suchfelder vereinfachen die Ideen­generierung. Passende Informations­quellen sind zu den strategischen Suchfeldern gesucht. In einem Industrie­unternehmen wurden dazu die Mitar­beitenden involviert, die inter­nationalen Vertriebs­partner informiert, mit Aussen­dienst­mitarbeitern Workshops abgehalten, Kunden in verschie­denen Märkten befragt und diverse Leit­messen besucht. Also ein Ansatz von Open Innovation. Dank dieser Massnahmen engagierten sich eine stattliche Anzahl Ideengeber. Beein­druckend. Diese brachten mehr als hundert strategie­konforme Ideen und Ideen­fragmenten innert kurzer Zeit ein. Die Basis für erfolg­reiche Weiter­ent­wicklungen von Geräten und Anwendungs­möglich­keiten in neuen Materialien. Die Innovations­tätigkeit konnte gesteigert werden.

Wie stellen Sie nutzbringende Werkzeuge und Hilfsmittel für die Projektarbeit sicher?

Ebenfalls in einem Industrie­unternehmen verant­wortete ich Projekte für das Ausrollen von ERP-Systemen in Nord- und Osteuropa. Die Projekt­hilfs­mittel waren lückenhaft. Auch wurden auf einer separaten Liste Möglich­keiten weiterer Informatik­projekte geführt. Fragen tauchten auf. Welche Hilfs­mittel bringen den Mitarbei­tenden einen Effizienz­gewinn? Welche Informa­tionen benötige ich für die Steuerung der Projekte? Wieso nicht das Projekt­manage­ment mit dem Ideen­manage­ment verbinden? Es liegt auf der Hand, dass jeglicher Art von Projekten eine Idee zugrunde liegt. Budgets für Weiter­entwick­lungen müssen über das gesamte Unter­nehmen ziel­führend zugeordnet werden. Egal ob Produkt­entwick­lung, Markt­entwick­lung oder beispiels­weise Software­projekte. Was folgte war die Struktu­rierung des ERP-Rollouts nach dem Stage/Gate-Prozess mit agilen Elementen. Dies bildete die perfekte Ausgangs­lage für die gekapselte Projekt­planung in MS Project. Als Projekt­hilfs­mittel definierte ich zum Ersten MS Word für die Dokumen­tation der Ist- und Soll-Situation, der «Gap»-Analyse, des «solution design» und des «solution implemen­tation». Schritt um Schritt wurde das Dokument befüllt. Am Ende des Projektes musste das Projekt nicht mehr mühsam beschrieben werden. Diese Arbeit wurde vorzu erledigt. Ein Zeit­gewinn. Zum Zweiten nutzte ich wiederum eine Datenbank für das Lasten- und Pflichten­heft, die verschie­denen Fort­schritts­kontrollen. Ein Gewinn an Trans­parenz, Steuerungs­möglich­keiten und Effizienz. Das erstellte Programm erlaubte noch mehr. Die Unter­nehmens­leitung konnte so jeder­zeit mittels Projekt­über­sichten und Projekt­port­folien einen schnellen Überblick über den Status der Projekt­ideen und Projekte erhalten. Hilfreich. Vorteilhaft.

Wissen ist Macht? Besser: Die wahren "Mächtigen" zeigen Ihr Wissen, indem sie es weitergeben!

Vor ein paar Jahren durfte ich an der Uni, Vaduz (FL) den EMBA-Klassen Innovations­management unter­richten. Ich wusste im Voraus, dass einige Teil­nehmende doch schon einiges über Innovations­management wissen. Ob ich allen noch etwas Neues mit auf den Weg geben kann, fragte ich mich. Die Unterrichts­stunden vergingen wie im Flug. Der Austausch mit den Studie­renden war wie erhofft gegen­seitig inspi­rierend und spannend. Bei der abschlies­senden Umfrage freute ich mich doch sehr über all die Rück­meldungen. Jede und jeder konnte Neues auf den weiteren Bildungs­weg mit­nehmen.
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